Newsmix Archiv
Drei Millionen streiken: Öffentlicher Verkehr teilweise lahmgelegt.
Zoff vorm Parlament - Brutale Polizei verhaftet sieben Streikende, Zivilpolizist schlägt wie ein Idiot mit Knüppel auf Mann ein.
Eisenbahnverkehr stark beeinträchtigt, keine U-Bahn in Lissabon, keine Müllabfuhr, keine Postverteilung - und die TAP streicht neunzig Prozent aller Flüge. Das sind die vorläufigen Auswirkungen des landesweiten 24-Stunden-Streiks, zu dem die beiden großen Gewerkschaftsdachverbände aufgerufen hatten.
Portugals neue konservative Regierung muß brutale Sparauflagen
des Internationalen Währungsfonds (IWF) erfüllen,
um 78 Milliarden Euro Hilfsgelder aus Brüssel zu erhalten.
Im vergangenen Jahr betrug das portugiesische Haushaltsdefizit
fast 10 Prozent, es soll 2012 auf 4,5 Prozent gedrückt
werden.
Um das zu erreichen, will die Regierung Steuererhöhungen
und Gehaltskürzungen verordnen, außerdem sollen
Arbeitnehmer täglich eine halbe Stunde länger arbeiten.
Siehe auch Video hier: http://de.euronews.net/2011/11/25/portugal-generalstreik-und-herabstufung/
Lesen Sie auch hier: "In
Portugal bildet sich nach einer trügerischen
Ruhe eine immer explosivere Lage heraus."
Lesen Sie auch: Portugal wehrt sich gegen „internationale
Finanzanarchie“, auf: http://www.wiwo.de/politik/ausland/fitch-wertet-rating-ab-portugal-wehrt-sich-gegen-internationale-finanzanarchie/5884220.html
23.11.2011
Generalstreik gegen unsoziale Kürzungen im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitssystem.
"Sparen ohne Ende: Das Programm der konservativen portugiesischen
Regierung stößt auf wenig Gegenliebe. Kein Wunder,
beziehen doch knapp 40 Prozent der portugiesischen Arbeiter
Monatslöhne von unter 600 Euro. Das lässt auch die
Gewerkschaften nicht kalt: Sie wenden sich mit dem Generalstreik
am heutigen Donnerstag gegen den Haushalt 2012, in dem neue
harte Einschnitte im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitssystem
vorgesehen sind und der in der nächsten Woche verabschiedet
werden soll. Steuern sollen weiter angehoben werden, Beschäftigte
im öffentlichen Dienst sollen auf das Urlaubs- und das
Weihnachtsgeld verzichten." Ganzen Artikel lesen: http://www.neues-deutschland.de/artikel/211819.portugal-ist-auf-die-strasse-gerufen.html
23.11.2011
Gericht trotzt amerikanischem Auslieferungsersuchen: George Wright bleibt in Portugal.
41 Jahre war der 68jährige George Wright vor der amerikanischen Brutalo-Justiz auf der Flucht - seit zwanzig Jahren lebte er in der Nähe der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. 1970 war er an einem Überfall beteiligt, bei dem ein Mann getötet worden war. Anschließend entführten er und seine Komplizen ein Flugzeug, erpreßten eine Million Dollar und konnten nach Algerien entkommen.
Portugiesische Polzeibehörden hatten kürzlich
bei einem Check ihrer Fingerabdruck-Datenbank entdeckt,
daß Wright, der mittlerweile portugiesischer Staatsbürger
geworden war, in den USA noch gesucht wird - und seinen
Aufenthaltsort gehorsam dem FBI mitgeteilt. Dem Auslieferungsgesuchen
der USA schob nun ein Lissaboner Gericht einen Riegel vor
- Antrag abgelehnt. Wright, der als Maler und Restaurantbetreiber
in Portugal arbeitete und Familie mit Kindern hat, sollte
in einem amerikanischem Terrorknast noch bis zu dreißig
Jahre Reststrafe absitzen. Allerdings
können
die Amis nun noch beim Obersten Portugiesischen Gericht
Berufung einlegen. Gelesen auf http://www.europeonline-magazine.eu/portugal-verweigert-auslieferung-von-us-verbrecher_168893.html und
auf http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,798505,00.html
17.11.2011
Portugal: 1,23 Milliarden Euro geliehen - für teure Zinsen.
"Der pleitebedrohte Schuldensünder Portugal bekommt am Kapitalmarkt weiterhin frisches Geld, muss allerdings trotz seiner relativ erfolgreichen Sanierungsbemühungen für äußerst kurzläufige Kredite tief in die Tasche greifen.
Seit
der Unterzeichnung des Hilfsabkommens mit der Europäischen
Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF)
im Mai war es jetzt bereits das 18. Mal, dass Portugal Kredite
an den Märkten aufgenommen hat. Bis Ende des Jahres will
Lissabon bei drei weiteren Ausgaben insgesamt knapp vier Milliarden
Euro bekommen." Lesen Sie hier den ganzen Artikel: http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2011-11/21957822-portugal-muss-weiter-hohe-zinsen-zahlen-016.htm
16.11.2011
Kaputtsparen: Von der Rezession in die Depression? "Trügerische Ruhe in Portugal."
Für die portugiesische Wirtschaft erwartet auch EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn, daß sie 2012 wieder schrumpfen wird. Sie soll mit einem Minus von drei Prozent sogar noch stärker schrumpfen als die Griechenlands. Weil damit unweigerlich Steuerausfälle und steigende Sozialausgaben verbunden sind, ist mehr als fraglich, ob mit dem Sparkurs die Defizitziele erfüllt werden.
Die Arbeitslosigkeit ist mittlerweile auf 12,5 Prozent gestiegen.
Otelo Saraiva de Carvalho, Führer der 1974er Nelkenrevolution,
mit der linke Militärs die Diktatur stürzten, warnte
die konservative Regierung, den Sparkurs zu übertreiben.
Wenn bestimmte Grenzen dabei überschritten würden,
was der Verlust von Rechten der Bevölkerung angeht, "kann
die Antwort ein Militärputsch sein, der einfacher wäre
als der vom 25. April 1974". Lesen Sie hier den ganzen
Artikel:
http://www.heise.de/tp/blogs/8/150815
11.11.2011
Minister im Zwielicht: Zweifelhafter Immodeal zu Lasten der Staatskasse.
Die staatliche Kontrollbehörde Departamento Central de Investigação e Acção Penal (DCIAP) untersucht einen Immobilienverkauf der besonderen Art, geschehen in den Jahren 2006 und 2007 zu Zeiten Justizministers' Alberto Costa.
Am Anfang stand der Verkauf des Alcoentre-Gefängnisses in Setúbal und einige dazugehörende Grundstücke; das Justizministeriums hatte das Gebäude 1998 vom Verteidigungsministerium für 4 Millionen Euro erworben und 2006 an die staatliche Grundstücksgesellschaft Estamo weiterverkauft - allerdings für nur 2,62 Millionen Euros.
Damit noch nicht genug: im November 2007 verkauft Estamo das Gebäude an das Immobilienfirma "Diraniproject III" weiter - für 3,4 Millionen Euros. Akteur in "Diraniproject III" ist José L., Bruder eines ehemaligen Abgeordneten der sozialdemokratischen Partei PS (Partida Socialista) - und Ex-Sozius von Justizminister Costa in einer von 1999 bis 2005 existierenden Anwaltspraxis. Der Umweg über die Estamo beim Verkauf kostete die Staatskasse 600.000 Euros - zum Vorteil der Immobilienfirma.
Auch der Verkauf der Grundstücke -fünf an der Zahl
zum Preis von 2,25 Millionen Euros- durch das Justizministerium
hat Kritiker auf den Plan gebracht; die öffentliche Ausschreibung
sei nicht transparent gewesen, Dritte hätten an dem Verkauf
rechtswidrig mitverdient. Dem zuständigen Staatsanwalt
liegt darüber die Klage eines Immobilienmaklers vor. http://www.cmjornal.xl.pt/detalhe/noticias/nacional/politica/venda-de-prisoes-sob-investigacao
6.11.2011
Zehntausend Tonnen radioaktiver Abfall 400 km vor der Küste.
Bis zum Jahr 1982 "entsorgten Deutschland, England,
Frankreich, Belgien und die Niederlande 1967 insgesamt 10.895
Tonnen radioaktiven Abfall 400 Kilometer
vor der portugiesischen Küste. Report Mainz zeigte
in seiner Sendung vom 3.11.2011 Unterwasseraufnahmen von
aufgeplatzten und löchrigen Atommüllfässern, die
Greenpeace im Jahr 2000 in einer Tiefe von etwa 100 Metern
im Ärmelkanal
gefunden hatte. Im selben Jahr untersuchte die Bundesforschungsanstalt
für Fischerei das deutsche Versenkungsgebiet im iberischen
Atlantikbecken und stellte in ihrem Abschlussbericht fest, „daß
aus den Abfallbehältern frei gesetzte Radioaktivität
in der Biosphäre angekommen ist." http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-14059-2011-11-02.html
4.11.2011
Verfassungsgericht: Autofahrer dürfen Blutprobe beim Alkoholtest verweigern.
Auch in Portugal muß das Verfassungsgericht den Regierenden auf die Finger schauen: bei der Änderung der Straßenverkehrsordnung (Código da Estrada, nº.8 do artigo 153) im Jahre 2005 hatten diese das bis dahin geltende Recht eines Autofahrers, eine Blutabnahme zur Untersuchung des Alkoholgehaltes zu verweigern, einfach unter den Tisch fallen lassen.
Eine Verweigerung des Bluttestes gegenüber der bestiefelten Polizeieinheit GNR (Guarda Nacional Republicana) oder der PSP (Polícia Segurança Pública) wurde seitdem als Zuwiderhandlung (crime de desobediência) geahndet. Zu Unrecht, wie das Verfassungsgericht (Tribunal Constitutional) jetzt feststellte. Die genannte Änderung der Straßenverkehrsordnung hätte nur das Parlament beschließen können; stattdessen hatte die damals herrschende Regierung das Parlament umgangen und im Alleingang entschieden.
GNR und PSP wollen bis auf weiteres weiterhin Blutproben von alkoholisierten Verkehrsteilnehmern einfordern. Costa Lima, Sprecher der GNR: "Es obliegt nicht der GNR, ein Gesetz zu interpretieren, sondern es anzuwenden. Für eine Interpretation sind die Gerichte zuständig."
Betroffene Autofahrer können sich derzeit zwar auf das Urteil des Verfassungsgerichtes berufen ("Essa prática já foi declarada inconstitucional"), müßten es im Konfliktfall allerdings auf eine Auseinandersetzung vor Gericht ankommen lassen. Diário Nacional vom 28.Dezember 2009

